28.8. Ein langer Reisetag liegt hinter uns wie schon lange nicht mehr. Nach dem Frühstück machten wir uns um 9.30 Uhr, mit Regen, auf den Weg zum Airport. Das Checkin lief problemlos und mit 30 Minuten Verspätung, um 13.00 Uhr, verliessen wir Neukaledonien. 3 ½ Stunden dauerte der Flug mit der Quantas, wo wir das Gefühl hatten, dass wir von der AHV Crew bedient wurden, bis nach Sydney. Da mussten wir unser Gepäck wieder in Empfang nehmen, obwohl wir mit der gleichen Gesellschaft weiterflogen. Zum Glück haben wir nochmals nachgefragt, weil beim Checkin in Noumea gesagt wurde, dass unser Gepäck direkt weitergeleitet wird. Mit einem Bus fuhren wir vom Internationalen zum Domestic Airport, nachdem wir unser Gepäck nochmals eingecheckt hatten. Dann hiess es 5 Stunden warten und die Zeit mit spazieren und Spiele überbrücken. Von Sydney nach Darwin dauerte der Flug 4 ½ Stunden und so landeten wir um 1.00 Uhr in Darwin. Mit der Zeitverschiebung war es für uns bereits 2.30 Uhr. Ein Taxi fuhr uns zum Ramada Zen, das wir von den letzten Aufenthalten bereits kannten und checkten ein. Ein bisschen müde gingen wir zu unserem Zimmer und mussten feststellen, dass es bereits besetzt war. Perplex und erstaunt traten wir den Rückzug an und fragten uns wieso wir einen Schlüssel von einem belegten Zimmer kriegen. Man stelle sich das vor, nichts ahnend betritt man ein Zimmer, morgens um 3.00 Uhr, schaltet das Licht ein sieht Schuhe und Koffer am Boden und braucht einige Sekunden um zu realisieren, dass es nicht die eigenen sind…….ups…..das hatten wir auf unserer Reise noch nie. Können wir also auf der Liste auch abhaken. Also wieder zurück zur Rezeption wo der Nachtportier auch grosse Augen und ein Fragezeichen im Gesicht bekam, weil er die Angaben vom Büro erhielt. Er gab uns irgendein freies Zimmer das uns gar nicht gefiel, aber das regelten wir nach unserem kurzen Schlaf mit der Tagescrew die auch Fragezeichen im Gesicht hatten, als sie unsere Story vernahmen. Natürlich war dann das Problem mit dem Frühstück, weil unser, falsches Zimmer, nicht auf der Liste stand, aber das klärte sich nach einem kurzen Telefonat mit der Rezeption. Kurz vor 12.00 Uhr erhielten wir dann das richtige Zimmer und konnten uns einrichten. Ein kurzer Spaziergang ins Zentrum um Info über unsere Reiseroute einzuholen und der Besuch beim Wooli wo wir unser Abendessen einkauften rundete den Tag ab. So assen wir am Abend bei angenehmen 27° auf dem Balkon Salat, Lasagne und tranken einen guten Wein. So haben wir uns den Start in Australien vorgestellt.

 

31.8.Wir geniessen es wirklich wieder hier in Darwin zu sein. Es ist fast ein wenig unser zu Hause geworden oder anders gesagt, wir fühlen uns hier sehr wohl. Wir spazieren gemütlich ohne Stadtplan durch die Stadt und haben ein Déjà-vus 😊.

Mit dem Taxi fuhren wir zum TCC wo wir unseren 4x4 Camper zum ersten Mal in Natura vor uns sahen. Wooow was für eine Maschine. Wir konnten unsere Augen kaum davon trennen und Basti und Antje, die bereits seit 10 Jahren in Australien leben, mussten einen Moment warten bis wir das Schriftliche erledigen konnten. Sie erklärten uns das ganze Fahrzeug und wie man das Dachzelt aufbaut. Mit 22‘629km ist das Fahrzeug sehr neu, wenn man bedenkt, dass es sicher noch 500‘000km vor sich hat. Die erste Fahrt, war dann vom Depot zum Wooli wo wir uns mit Lebensmittel eindeckten. Danach fuhren wir zum Hotel und schauten vom Balkon glücklich auf unseren Camper. Dann sagten wir uns, das wird sicher lustig für unsere Nachbarn werden, wenn wir uns auf dem Caravan Park das erste Mal einrichten……Okay, nach 2 Monaten werden wir das auch im Schlaf können.

 

2.9. Heute starten wir zu unserer grossen Reise. Obwohl wir schon eine Zeitlang unterwegs sind und doch schon einiges erlebt haben, waren wir freudig nervös und glücklich das es endlich losging. Beim ersten Halt im Shoppingcenter deckten wir uns mit Frischprodukten ein. Dann ging es auf den Stuart Highway wo wir bereits nach 90km das erste tote Kängi sahen . Das ist ein ganz anderes fahren mit diesem 2,8 l Toyota Hilux als die kleinen Camper die wir das letzte Mal hatten. Wenn man hier aufs Gas drückt passiert etwas und man spürt die Geschwindigkeit fast nicht. In Katherine kauften wir beim Wooli noch etwas ein und füllten den Tank mit Diesel. Dann ging es noch 30km bis zum Nitmiluk Caravan Park der im Nationalpark liegt wo wir dann mit dem Showdown begannen. Viele Nachbarn hatten wir nicht und so ungeschickt stellten wir uns auch nicht an. Wir brauchten nur etwas lange, 2 Stunden, bis wir eingerichtet waren. Da das Aufstellen bei über 30° ziemlich schweisstreibend war, entschlossen wir uns die Küche nicht in Betrieb zu nehmen und zuerst ein Bier zu trinken und das Essen im Bistro zu geniessen.

 

4.9. Gestern, nach der ersten sehr heissen Nacht auf harten Matratzen, merkten wir wie knackig wir sind. Nun ja, solange es knackt ist man am Leben 😉. Dann richteten wir den Camper nochmals richtig ein. Natürlich kam dann unsere Küche zu ihrem ersten Einsatz und so gab es Salat, Burger und Spiralen das ausgezeichnet schmeckte. Es ist schon etwas Spezielles für uns nach so langer Zeit wieder selber zu kochen und nicht die Menükarte zu studieren.

Heute starteten wir um 9.00 Uhr zu unserer Bootstour durch den Nationalpark auf dem Katherine River. 2 Stunden fuhren wir mit einigen anderen Besucher ruhig durch den Fluss zwischen den steilen Kalk- und Sandsteinfelsen hindurch. Ein eindrückliches Naturschauspiel das man hier gar nicht erwarten würde. Zum Glück nahmen wir die frühe Tour, denn danach kamen Heerscharen von Besucher. So konnten wir die Fahrt, bei angenehmen Temperaturen, richtig geniessen. Der Rest des Tages war mit Homepage und Packen ausgefüllt, weil es morgen sehr früh weiter geht.

 

5.9. Bereits um 6.00 Uhr starteten wir mit dem zusammenpacken. Da merkt man den Unterschied zwischen einem Camper und unserem Fahrzeug mit Dach Zelt. Bei einem Camper ist man in 10 Minuten reisefertig, bei unserem braucht man im Besten Fall mindestens 1 Stunde. Ohne Frühstück machten wir uns auf den langen Weg. Von Katherine fuhren wir auf dem Victoria Highway Richtung Westen. Nach 2 Stunden machten wir eine Pause und assen eine Kleinigkeit, weil wir die letzten 200km nur Landschaft und kein Roadhouse antrafen. Wir verdrückten die letzten Cherry Tomaten weil kein Gemüse nach West-Australien eingeführt werden darf. Dies wird dann an der Grenze auch wirklich kontrolliert. Nun fragt man sich natürlich woher das Gemüse kommt das in Westaustralien gegessen wird. Wir haben bis jetzt in diesem trockenen Teil, ausser Rinderfarmen, noch keine Gemüsefelder gesehen. Auf unserer Fahrt sahen wir dann die ersten Baobabs (Affenbrotbaum) die von Afrika hierherkamen. Nach 7 Stunden erreichten wir Kununura wo wir im Coles wieder Frischprodukte einkauften. Dann ging es 75km bis zum Lake Argyl wo wir auf dem einzigen Caravan Park, unter einem Baum, unser Lager aufschlugen. Nach dem schweisstreibenden Aufstellen hatten wir keinen Bock noch zu kochen und so gingen wir ins Camp-Bistro fürs Abendessen.

 

8.9. 3 Tage verbrachten wir an diesem Ort ohne Internet, jedoch mit einem Pool von dem man eine wunderbare Aussicht auf den See hat, da die ganze Anlage erhöht liegt. Der Lake Argyl ist ein riesiger Stausee der auch als Wasser Reservoir dient. Trotz des vielen Wasser ist die Gegend nicht üppig Grün was man eigentlich erwarten würde. Inzwischen haben wir Australische Angewohnheiten angenommen. Wir stehen nach 5.00 Uhr auf, packen unsere Sachen zusammen und sind bei den Ersten die den Camp Ground verlassen. Abends sind wir dann um 9.00 Uhr im Bett und kurze Zeit später lauschen wir den Geschichten die uns das Kissen erzählt.

Heute hatten wir eine Monster Etappe zu bewältigen und das Pünktchen auf dem i waren am Schluss die 53km, mit 2 Flussdurchquerungen, auf einer fürchterlichen Wellblech-Piste. Da kam unser Hilux wirklich zu seinem ersten Härte-Test, den er besser überstand als wir, denn wir waren völlig durchgeschüttelt. Im Purnululu National Park platzierten wir uns auf dem Campingplatz mit Plumsklo und ohne Strom. Hier waren wir mit einer Westaustralierin die ursprünglich aus Polen stammt die Einzigen Gäste. Kein Wunder, denn nur Verrückte oder sehr gut Ausgerüstete kommen an solch einen Ort. Da erhielten wir einen ersten Vorgeschmack von einem Outback Camping. Dafür konnten wir ohne Fremdlicht den Sternenhimmel geniessen.

 

9.9. Während der Nacht mussten wir uns unter die warme Decke verkriechen, weil die Temperaturen unwahrscheinlich tief sanken. Die Sonne war noch nicht über dem Horizont und wir waren bereits am Packen. Eine kurze Fahrt bis zum Bungle Bungle Parkplatz wo wir unter den Ersten waren. Die Bungle Bungle sind teilweise Mohrenkopfartige Gesteinsformationen in Schichten. Ein unglaublicher Anblick in der Morgensonne. Man hat das Gefühl, dass die Roten Felsen glühen. Vom Parkplatz hiess es dann weiter…….zu Fuss. Nach 30 Minuten durch eine Schlucht erreichten wir die Kathedrale mit einem kleinen Restwasser-Tümpel und vielen vertrockneten Fröschen. Man kann sich kaum vorstellen, dass während der Regenzeit hier kein durchkommen ist und grosse Wassermassen über die Felsen donnern. Diese kurze Wanderung muss man in der Früh absolvieren, weil danach die Hitze unerträglich wird. Man kann hier ganze Tageswanderungen machen, aber das überlassen wir anderen Verrückten. Für die 65km zurück auf den Victoria Highway brauchten wir 2 ½ Stunden. Welch eine Erholung wieder auf normalen Strassen zu fahren. In Fitzroy Crossing richteten wir uns für eine Nacht ein und hatten viele Kängis als Nachbarn.

 

10.9. Weiter ging die Fahrt. Je näher wir Broom kamen umso Grüner wurde die Landschaft. Wir sahen vereinzelte Frühlingsblumen, aber auch riesige Flächen die abgebrannt sind. Das ist hier wirklich ein grosses Problem. Wenn es einmal brennt hat man keine Chance das Feuer zu löschen und so brennen grosse Landstriche nieder. Dann verwandelt sich die trockene, gelbe Graslandschaft in eine schwarze Fläche. Bevor wir uns im Cable Beach Caravan Park, den wir nach kurzem Suchen endlich fanden, deckten wir uns wieder mit Lebensmitteln ein. Das ist der Nachteil bei unserem Fahrzeug. Man kann nicht schnell zusammenpacken und etwas einkaufen gehen. Dies muss man immer zuerst erledigen, wenn keine Einkaufsmöglichkeit in Fuss Distanz liegt. Hier hatten wir das erste Mal Schwierigkeiten die Heringe in den Boden zu schlagen. Obwohl es „nur“ roter Sand ist, ist er hart wie Beton. So werden wir wohl im Bunnings einen Akuschrauber mit Spezial-Heringe kaufen gehen, da diese Art von Böden hier in Westaustralien häufig anzutreffen ist, wie uns der Nachbar grinsend erläuterte als er unseren Bemühungen zuschaute.

 

14.9. Heute kam unser „Wal-Winki-Tag“ zum tragen…also müssen wir eine Steigerung oder etwas neues finden 😉.

Aber alles der Reihe nach. Nach einem kleinen Frühstück wurden wir abgeholt und mit einigen anderen Gästen zur Beach gefahren. Dort stiegen wir dann auf ein kurliges „Auto-Schiff“ das uns zum Katamaran führte. Gespannt auf das was wir sehen werden, schipperten wir aufs Meer hinaus. Mitch, unser Skipper, erzählte uns einiges über die Buckelwale die von Mai bis September in dieser Gegend sind und ihre Jungen zur Welt bringen. Gespannt und konzentriert schauten alle auf dem Boot aufs Meer, bis wir in der Ferne eine Wasserfontäne entdeckten. Sofort steuerte Mitch in diese Richtung. Natürlich stieg nun die Spannung an Bord. Dann sahen wir plötzlich einen Rücken und daneben noch einen kleinen. Es war eine Mutter mit ihrem ca. 2-monatigen und ca. 4 Tonnen schweren Jungen. Welch herrlicher Anblick und dies so nahe und bei ruhigem Meer. Als dann das Junge aus dem Meer sprang war die Euphorie an Bord riesig und die Fotoapparate liefen heiss. Über eine Stunde verfolgten wir die Wale und genossen diesen wunderbaren Anblick. Nach 4 Stunden waren wir überglücklich zurück auf dem Campingplatz und sagten……nun brauchen wir einen neuen „Wal-Winki-Ausdruck“ 😉.

 

16.9. Gestern übernachteten wir im Pardoo Roadhouse, das wie so bei den Roadhouses üblich im nirgendwo liegt und die nächste Siedlung 300km entfernt liegt. Da kann man sich schon fragen, wie man auf solch eine Idee kommt. Aber für die Reisenden und die Trucker Fahrer sind diese Roadhouses Gold Wert. Nun die Einrichtung ist schon ziemlich in die Jahre gekommen aber für eine Nacht okay. Dann entschlossen wir uns auch noch im Restaurant, das eher einer Kantine glich, zu Essen und wurden positiv mit einem Chicken-Schnitzel überrascht. Die ganze Zeit blies ein starker Wind und unser Zelt wurde in der Nacht kräftig durchgeschüttelt.

Früh machten wir uns auf den Weg und fuhren über weite Strecken durch ebene Flächen, von Rinderfarmen und teilweise grüne Buschlandschaften. Der Westen von Australien unterscheidet sich durch seine Weiten, karge Landschaft und Trockenheit von der Ostküste. Daher leben die meisten Menschen auch an der Ostküste. In Port Hedland begegneten wir unzähligen Road-Trains die mit Eisenerz beladen zum Hafen fuhren. Australien hat ein reiches Eisenerzvorkommen. Da es hier keine Stahlindustrie gibt, wird das meiste per Schiff nach China transportiert. Der Eisen Anteil ist mit bis zu 62% sehr hoch, was natürlich für den Westen ein sehr gutes Geschäft ist. In Karratha deckten wir uns wieder mit Lebensmittel ein und in Dampier platzierten wir uns auf einen sehr kleinen, einfachen Campground. Gegenüber konnten wir dem Verladen des Eisenerzes auf die Transportschiffe zuschauen.

 

17.9. Eigentlich wollten wir 2 Tage in Dampier bleiben, aber so begeistert waren wir von diesem Platz nun auch wieder nicht, dass wir beschlossen weiter zu Reisen. Bis zur Coral Bay mussten wir 540km, plus 80km Umweg, wegen unserer Navidame, „fressen“. Wieder fuhren wir durch unendliche Weiten und „niemands“ Land. Einige würden sagen, dass dies sicher sehr öde ist, was wir auch verstehen, aber wir genossen einfach diesen unendlichen Horizont mit zum Teil Fatamorgana Erscheinungen. Je näher wir der Coral Bay kamen, umso grüner und windiger wurde es. Ein Abschnitt sah fast wie eine Alp im Frühling aus. Blumen, Gras und niedere Büsche prägten das Landschaftsbild. Einzig die Termitenhügel passten nicht in die Alplandschaft. Auf dem Peoples Park suchten wir schattiges, windgeschütztes Plätzchen und richteten uns ein. Die angesagte mässige Brise hatte schon fast Orkanstärke und zwang uns mitten in der Nacht unser fast weggeblasenes Sonnendach abzumontieren.

 

21.9. Weiterhin blies der Wind in den letzten Tagen ziemlich kräftig, sodass wir auf das Sonnendach verzichteten. Mit dem Dachzelt und dem Vorzelt hatten wir jedoch keine Probleme obwohl es ziemlich stark durchgeschüttelt wurde. Dank den nahen Bäumen hatten wir sogar noch etwas Schatten. In der Nacht fiel die Temperatur jedoch so tief hinunter, dass wir sogar eine Jacke anziehen mussten. Das ist der Nachteil bei einem Zelt, im Gegensatz zu einem Wohnwagen oder Camper. Kaum zu glauben welch riesige Temperaturdifferenzen, von bis zu 20°, es hier hat. Ausser einigen Strandspaziergängen bei denen wir das türkisfarbene Meer bewunderten, unternahmen wir nichts.

Weiter ging die Fahrt Richtung Süden und wir kamen in den Genuss des Westaustralischen Frühlings. So sahen wir einige Blumen am Strassenrand. Um Carnavon entdeckten wir riesige Kornfelder in der hügeligen Landschaft die bis zum Horizont reichen. Uns erstaunte der unglaubliche Gegenverkehr mit unzähligen Campers und Wohnwagen, bis uns mitgeteilt wurde dass dieses Wochenende Ferienanfang und erst noch verlängertes Wochenende ist. So sind alle vom eher kühlen Perth Richtung Norden in die Wärme unterwegs. Der BIG4 in Geraldton war völlig ausgebucht und so mussten wir auf den Belair Caravan Park ausweichen der ebenfalls in Strandnähe liegt. Da hatten wir wohl Glück, dass wir von hier ins Landesinnere fahren müssen und nicht mehr an der überfüllten Küste entlang.

 

24.9. „Endlich“ geht es Richtung Outback. Nach dem Tanken schauen wir uns noch kurz die Kirche aus dem Jahre 1870 an, die jedoch, für unseren Geschmack, im Innern in einem pseudomodernen Stil renoviert wurde. Eigentlich schade für das schöne Gebäude von Aussen. Wieder fuhren wir an grossen Kornfelder vorbei, bevor die Buschlandschaft mit den Blumen am Strassenrand begann. Leider sahen wir wieder vermehrt tote Kängis. Hier herrscht nun wirklich Frühling und das bei stahlblauem Himmel und 30°. Inzwischen haben wir auch ein Auge für die Details, bei denen viele sagen würden das die Fahrt durch diese unendliche „gleiche“ Landschaft furchtbar öde sein muss. Wir entdecken immer wieder etwas Neues. In Mt. Magnet, einem ehemaligen Goldgräber Dorf, platzieren wir uns auf dem einzigen Caravan Park und gingen danach ins „Grand Hotel“, wo eine Italienerin aus Mailand hinter der Theke stand, ein Bier trinken. Bereits seit einem Jahr ist sie in diesem Kaff, wo es nichts hat. Da kann man sich wirklich Fragen, wo kommt man auf solch eine Idee. Auf unsere Frage antwortete sie nur, wegen der Arbeit…… Da Heute Public Holliday ist und sämtliche 3 Läden geschlossen haben, wirkte diese Siedlung wie ausgestorben.

 

25.9. Je weiter wir uns Westwärts bewegen umso einsamer und verlassener werden die Strassen. Zwischendurch begegneten wir einem Road Train der von den Nickel oder Goldminen kommt. In Sandstone schauten wir uns noch die „London Bridge“ an. Eine natürliche Felsbrücke die, gemäss unserer Ansicht, keine Ähnlichkeit mit der berühmten Brücke in London hat. Höchstwahrscheinlich war es ein Heimweh-Londoner der diese Brücke so taufte. Unsere fahrt führte uns wieder durch eine Buschlandschaft mit vereinzelten Felsen und grossen Ebenen. In Leinster platzierten wir uns auf den Caravan Park, wobei man im Supermarkt, der 5 Minuten zu Fuss entfernt ist, bezahlen muss. Sowas hatten wir bis jetzt noch nie. Auf dem Campingplatz waren 5 Plätze belegt. Jetzt merkt man wirklich langsam, dass wir im Outback unterwegs sind.

 

26.9. Ist ja kaum zu glauben aber auf dem Weg nach Laverton mussten wir den Scheibenwischer in Betrieb setzen. Nicht um den Staub abzuwaschen, sondern um die Regentropfen zu entfernen. Dunkle Wolken begleiteten uns auf dem ganzen Weg mit gelegentlichem Regenschauer. Erstaunlich war nur, dass die Strasse nicht nass war. Anscheinend verdunstet das Wasser sofort, wenn es auf den Boden trifft. Wieder begegneten wir vorwiegend Minentrucks und wir sahen auch grosse Hügel von dem Aushubmaterial. In Laverton, dem letzten Dorf vor der Great Central Road platzierten wir uns wieder auf dem einzigen Caravan Park. Unser Nachbar kam zu uns und es stellte sich heraus, dass er mit seinem Kollegen aus Dänemark kommt. Sie suchen hier zum Spass Gold und haben eine Top Ausrüstung. So verbrachten wir einen lustigen Nachmittag besonders als Colette ihr Gold App präsentierte das auf den Goldfund von Nils nicht reagierte. Hier wird reines 24 Karätiges Gold gefunden. Nils zeigte uns seine kleinen Nuggets die er in dieser Gegend gefunden hat. Sein Profi Suchgerät geht bis 80cm Tiefe, wobei seine meisten Funde in den obersten 10cm waren. Er bleibt ca. 3 Monate und will nächstes Jahr wiederkommen. Er sagt, dies mache mehr Spass als zu Hause vor der Röhre zu sitzen und sich zu langweilen, was wir natürlich voll verstehen da es uns ja auch so ergeht.

 

28.9. Kurz nach Laverton beginnt die Great Central Road, also die Wellblechpiste. Wir tanken nochmals voll, weil von nun an der Dieselpreis sprunghaft steigt. Also zahlten wir 1,79 AU$ pro Liter, was bereits auch schon 20 Cent höher ist als in den grossen Zentren. Dann lassen wir bei den reifen die Luft raus auf 32psi, was für das Wellblech geeignet ist und machen uns auf den Weg. Natürlich sind wir gespannt was uns auf den nächsten 1‘500km bis Alice Springs erwartet. Mit der richtigen Geschwindigkeit sausen wir über die Piste. Ein roter Strich zieht sich durch die Landschaft in der, noch grünen Frühlings Landschaft. Eine ca. 1m lange Echse die mitten auf der Strasse sitzt schaut uns ganz böse an und lässt sich nicht auf die Seite verscheuchen. Na ja, der nächste Road Train wird sie wohl platt walzen. Schon von weitem sieht man die Staubfahne der entgegenkommenden Fahrzeuge, was dann heisst, Fenster schliessen. Wenn dann ein Road Train entgegendonnert, sieht man gar nichts mehr bis der Wind den Staub weggeblasen hat. Neben der Piste sehen wir einige verrostete Unfall Fahrzeuge. Nach 4 Rüttelstunden erreichen wir das Tjukayirla Roadhouse wo wir die nächste Nacht verbringen werden. Ein richtiger Outback Aussi mit Bart und langen weissen Haaren zeigt uns wo wir unser Fahrzeug hin platzieren können. Da wir keine Lust auf kochen haben, verdrücken wir die Hausspezialität, einen grossen Tjukayirla-Burger, der vom Salat mit Eier über das Gemüse bis zum Burger alles bietet. Der ganze Turm wird mit einem Spiess zusammengehalten und ist ca. 15cm hoch. Der Diesel kostet hier bereits 2,10AU$. Der Rest des Nachmittags verbrachten wir in der offenen Camp Kitchen.

 

29.9. DAS MUSS MAN SICH VORSTELLEN……….Australien……..das Outback……unendliche Weite……rote Erde……heiss und trocken…….Staubstrassen……..einsame Roadhouses mit dem Outback Aussi…….UND DANN…..eine Gruppe lärmende Chinesen mit 3 normalen PW’s, die in der offenen Camp Kitchen ihren Reiskocher aufstellen und dazu noch einige Regentropfen. Wir hatten das Gefühl im falschen Film zu sitzen…….einfach unglaublich.

Heute Morgen warteten wir bis die lärmende Gruppe abgezogen war und wir dann, als die einzigen, in der Camp Kitchen gemütlich unser Frühstück mit dem richtigem Outbackfeeling geniessen konnten. Ausserhalb unseres Camp Zaunes entdeckte Colette noch 2 Dingos die vorbei huschten. Auf dem Weg nach Warburton begegneten uns in 4 Stunden 5 Fahrzeuge und Colette entdeckte ein wildes Kamel. Das sind die Nachfahrer der Kamele die von den Forschern und Goldgräber frei gelassen wurden, als man sie nicht mehr benötigte. Inzwischen soll es über 1 Million Kamele geben die langsam zur Plage werden. Landschaftlich hat sich nicht viel verändert und wird es auch für die weitere Strecke nicht. Aber hier ist der Weg das Ziel. In Warburton platzierten wir uns hinter dem Roadhouse, das wie ein Hochsicherheitstrakt abgesperrt ist. Der Liter Diesel kostet hier bereits 2,35 AU$.

 

30.9. Mit starkem Wind und bewölktem Himmel setzten wir uns mit dem Auto wieder aufs Wellblech um eine Gratis Massage zu erhalten……und dies über 4 Stunden. Zeitweise fuhren wir durch einen richtigen Sandsturm, der die Sicht fast auf Null reduzierte. Die Geschwindigkeit kann man nicht reduzieren, weil man dann Angst haben muss, dass Fahrzeug fliegt auseinander. Unterwegs entdeckten wir dann noch eine kleine Gruppe Kamele die uns genauso komisch anschauten wie wir sie.

Ca. 50km vor Warakurna sahen wir ein Fahrzeug am Strassenrand das sehr ramponiert war. Natürlich stoppten wir und sahen den Fahrer auf der anderen Seite mit seinem restlichen Hab und Gut. Ihm ging es soweit gut, er war auch nicht verletzt aber sicher geschockt und Hilfe sei angefordert. Das Auto muss es überschlagen haben und ist nur noch Schrott. Dies zeigte uns, wie gefährlich diese Wellblechpiste sein kann, wenn man nicht ständig aufpasst. In Warakurna platzierten wir uns wieder hinter dem Roadhouse und stellten fest, dass eine Angestellte eine Schweizerin ist, die wegen ihrer Tochter nach Australien kam. Nicht zu glauben wo man überall Schweizer antrifft. Hier sind wir wieder im North Territory und 1 ½ Std. später. Wieder benützten wir das Angebot des Roadhouses und assen Chicken mit Chips. Hier kostet der Diesel bereits 2,40 AU$. Wir hatten jedoch genug im Tank um hier nicht aufzufüllen.

 

1.10. Irgendwie scheint das trockene Outback ziemlich nass geworden zu sein. Während der Nacht regnete es immer wieder und am Morgen hatten wir ein richtiges Gewitter mit Blitz und Donner. Zum Glück hatten wir ein dichtes Zelt und einige trockene Momente um das nasse Zelt einzupacken. Während der ganzen Fahrt kam es immer wieder zu Regenschauer und die Piste verwandelte sich in eine matschige Schmierseifen Strasse. Zwischendurch hatte man das Gefühl ein Schiff zu steuern und musste höllisch aufpassen keine schnellen Bewegungen zu machen, auch wenn das Fahrzeug nach Aussen triftete. Dank dem vielen Regen war die Landschaft ziemlich Grün. Trotzdem sahen wir einige Rauchfahnen die von einem Buschfeuer stammten. Die Piste diente wie ein Blocker. Auf der einen Seite war es Grün und auf der anderen alles Schwarz abgebrannt. Bei den Olgas kamen wir wieder auf die Teerstrasse und fuhren nach einem kurzen Halt weiter zum Uluru. Unser Hilux sah ja fürchterlich aus und war für die anderen ein richtiger Hingucker. Er war fast mehr Rot als Weiss. Beim Uluru hatte Petrus erbarmen mit uns und schickte ein paar Sonnenstrahlen damit wir diesen eindrücklichen Felsen wieder betrachten konnten. Auf dem Campingplatz war alles ausgebucht und so mussten wir auf dem stromlosen Reserveplatz ausweichen. Da erfuhren wir, dass dieses Wochenende die Frühlingsferien in Nord Australien begonnen haben. Na super, da können wir uns ja freuen was die Belegung der Campingplätze anbelangt. Also buchten wir nur für eine Nacht.

 

2.10. Schon früh, es war noch dunkel, wurden wir von unserem Nachbar geweckt, der seine Sachen zusammenpackte. Also standen wir etwas später auch auf da der Lärmpegel massiv gestiegen war. Wir beschlossen unser Frühstück auf das nächste Roadhouse zu verschieben, da es hier keinen Spass machte. So stoppten wir in Curtin Springs das wir nach einer Stunde erreichten und assen Eier auf Toast die gut schmeckten. Hier mussten wir wieder einmal tanken was uns 2,14 AU$ pro Liter kostete. Wieder hatten wir starken Gegenverkehr. Also bei einer Australienreise muss man die Ferien mitberücksichtigen, denn die Aussi sind mit ihrem Camper unterwegs. Besonders wenn man zu den Hot Spots oder an der Küste entlangfährt. Jeder Camper der uns auf dem Weg zum Kings Canyon entgegen kam, grüssten wir und sagten……einer weniger auf dem Campground. Als wir dann im Kings Canyon Resort ankamen, sahen wir an der Tür das Schild mit dem Hinweis, Full, No Power Site. Na super…… Scherzhalber fragten wir nach einem Power Site und erhielten die lächelnde Antwort, ob wir das Schild an der Tür nicht gelesen haben. Natürlich haben wir, aber wir dachten wir fragen einmal. Zu Unserer Überraschung antwortete sie lächelnd, wir hätten Glück sie habe noch einige. So buchten wir für 2 Nächte und richteten uns ein.

 

5.10. Wir verlängerten für eine Nacht und relaxten wieder einmal, da wir die Kings Canyon Wanderung bei unserem letzten Besuch machten und keine Lust hatten das Zelt abzubauen, um mit den Massen mit zu latschen. Teilweise war unsere Nachbarschaft ziemlich laut und es hatte auch viele Kinder. In Australien ist eine Familie mit 3 Kinder fast üblich, aber auch mehr Kinder sind keine Seltenheit. Seit wir in Laverton losgefahren sind, hatten wir keinen Internetzugang. Dies wird bis Alice Springs wohl so weiter gehen. Da wird es dann einige Bürotage geben.

Der Weiterweg führte uns über eine fürchterliche Piste, mit grossen Schlaglöcher und Senken nach Glen Helen. Unser Hilux hielt sich prächtig und als Dankeschön wurde er nochmals kräftig eingestaubt, wenn ein Fahrzeug entgegenkam. Die Umgebung veränderte sich zu einer felsigen Canyon Landschaft mit speziellen Hügeln. In Glen Helen platzierten wir uns beim einzigen, sehr kleinen und staubigen Campground nur für eine Nacht, obwohl wir länger bleiben wollten. Nur mit grosser Mühe und zusätzlichen Steinen als Anker konnten wir die Heringe in den steinharten Boden treiben. Die Plätze waren so klein, dass der Nachbar knapp einen Meter danebenstand. Es gibt auch nur 2 Duschen und einige WC’s die schon ziemlich in die Jahre gekommen sind. Unser Abendessen genossen wir im Restaurant mit einer trockenen Hühnerbrust und den Blick auf die gegenüberliegende Felswand mit dem Wasserloch davor, in dem man übrigens Baden kann.

 

6.10. Sobald es hell wird kommt Bewegung auf den Campground. So waren auch wir früh unterwegs, weil wir noch 2 Orte besichtigen wollten. Der erste Halt war beim Ellery Creek oder Big Hole. Wir waren die Einzigen und konnten dieses Wasserloch mit den eindrücklichen Felsen in Ruhe anschauen und geniessen. Solche Stellen muss man kennen sonst würde man sie nie finden, ausser den Aboriginal die natürlich diese Wasserlöcher brauchten um zu überleben. Beim Standley Chasm machten wir einen kleinen Spaziergang bis zu einer grossen Felsspalte, die in Millionen von Jahren entstanden ist. Hier hatte es viele Besucher und so machten wir uns auf den Weg nach Alice Springs. Ach ja, die Strasse nach Glen Helen ist wieder geteert. In Alice fuhren wir auf den Campground, den wir schon vor 2 Jahren benutzten und staunten wie wenig Leute hier platziert sind. So konnten wir einen guten schattigen Platz in der Nähe der sauberen WC-Anlagen aussuchen. Doch bevor wir uns einrichteten verpassten wir unserem Hilux eine kräftige Dusche und staunten wie viel rote Erde wir herunter spülten. Fürs Erste sah er wieder richtig sauber aus, wobei die Ecken bei der Abgabe noch etwas mehr Aufmerksamkeit brauchen. Dann fuhren wir zum Wooli, um unsere Lebensmittelvorräte wieder zu ergänzen. Zurück auf dem Campingplatz richteten wir uns dann richtig ein.

 

7.10. Wie es der Zufall so will, hatten wir heute plötzlich Besuch. Es sind Sabine und Frank, den Ugo nicht sofort erkannte, weil er einen Coupe Radikal hat, die wir an der Coral Bay kennen lernten. Sie sind einige Plätze hinter uns platziert. Natürlich gab es einiges zu erzählen und am Abend besuchten wir gemeinsam das Parrtjima Festival im Dessert Park. Ein fantastisches Lichterspektakel, das an die Felswände der West MacDonnelll projiziert werden. Wir hatten Glück, denn es war der letzte Abend dieses 10-Tägigen Festes. Was dann fast noch unglaublicher war, es ist alles Gratis inkl. Bus vom Zentrum zum Desert Park. So genossen wir den Abend natürlich doppelt.

 

13.10. Wir genossen die Plauderstunden der letzten Tage mit Sabine und Frank. Überstanden ein fürchterliches Gewitter zuerst unter dem „Sonnendach“ und danach in unserem Vorzelt, das zum Glück dicht ist. Auf der Zufahrtsstrasse zu unserem Platz bildete sich eine grosse Pfütze, die von den Vögeln als Badewanne benutzt wurde, wobei Frank und Ugo in der Mitte genüsslich ein Bier schlürften 😊. Natürlich mussten wir auch unsere Homepage aktualisieren da wir auf der ganzen Fahrt durchs Zentrum kein Internet hatten. Eine kleine Shoppingtour ins Zentrum war auch noch dabei. Ansonsten genossen wir den aromatischen Eukalyptus Duft nach dem vielen Regen beim Relaxen.

Nun hofften wir auf dem Weg Richtung Osten endlich aus der Regenzone heraus zu kommen. Wir füllten den Tank mit Diesel zu 1.67 AU$ und deckten uns noch mit Lebensmittel ein. Für ein kurzes Stück fuhren wir auf dem Stuart Highway mit geteerter Strasse, bevor wir dann rechts abbogen um Richtung Jervois zu fahren. Jetzt kamen wir in den „Genuss“ einer wirklich miserablen Wellblech Piste. Irgendwann musste es ja passieren, auch wenn man natürlich dies auf keinen Fall wünscht…….einen Plattfuss hinten rechts …..und dies ca. 8km vor Jervois. Also ging die Reifenwechselprozedur los. Zum Glück war in diesem Abschnitt die Strasse eben, hart und keine Menschenseele, sodass wir mitten auf der Strasse stehen konnten. Wir nahmen die schwere Werkzeugkiste heraus und fanden den Wagenheber nicht…….bis Colette plötzlich auf die Idee kam, dass er evtl. unter den Hintersitzen sein könnte. Also mussten wir zuerst unsere Koffer herausnehmen und fanden ihn dann wirklich darunter……zum Glück. Nach 45 Minuten war das Rad gewechselt und wir Bach nass. In Jervois, das aus 3 Häuser besteht, wurden wir sehr freundlich empfangen. Als wir unser Malheur erwähnten wurde uns angeboten, einen gebrauchten bei ihnen zu kaufen der dann auch gleich aufgezogen wird. Besser einen gebrauchten als gar keinen, mit der Strecke die wir noch vor uns hatten. So liessen wir das Rad gleich beim Shop und installierten uns ganz alleine auf dem Campground ohne Strom. Salat, Risotto und ein Bierchen unter einem Sternenhimmel ohne Fremdlicht. Der Wind der den feinen Eukalyptus Duft heranwehte und das einzige Gräusch war, wenn er die Blätter bewegte. Das war nun Outbackcamping pur.

 

14.10. Nach dem Frühstück holten wir den „neuen“ Reifen für 80 AU$ und plauderten noch eine Zeitlang mit der netten Dame die sicher für jede Abwechslung dankbar ist. Sie warnte uns auch noch über den nächsten Streckenabschnitt nach Boulia, der sehr schlecht sei und wir vorsichtig fahren sollten. An schnelles fahren war gar nicht zu denken, denn die Piste war wirklich in einem katastrophalen Zustand. Nach etwas mehr als 100km hatten wir ein kleines Stück geteerte Strasse und………einen Platten . Diesmal war es hinten links. Also das ganze Prozedere nochmals und dies auf der heissen Teerstrasse bei 40° die sich wie 50° anfühlte. Ein netter Aussi der entgegenkam hielt und half uns beim Wechseln. Er erwähnte auch, wir sollen den Reifendruck auf 30psi senken. Er fahre sogar nur mit 28psi. Also reduzierten wir den Reifendruck, fuhren die nächsten 200km mit dem gebrauchten Ersatzreifen und mit gemischten Gefühlen. Wir haben ja noch einen Ersatzreifen, aber der ist hinten unter dem Fahrzeug angebracht. Dank dem netten Aussi wissen wir nun auch wie man den Reifen herunterholt. Wir erreichten Boulia ohne weitere Probleme und platzierten uns auf dem Campingplatz. Nach all dem Theater hatten wir keine Lust zum Kochen und gingen in den Pup zum Abendessen. Auf der Fahrt hierher durchfuhren wir verschiedene Landschaften, die jede für sich einzigartig ist. Natürlich fährt man hier Stundenlang durch die „Gleiche“ und sieht doch immer etwas „Neues“. Ob es nun eine trockene Grasebene, eine Buschlandschaft oder zerklüftete Hügel sind, wir sind von diesem Australien einfach begeistert.

 

17.10. Über die letzten 3 Tage können wir nicht viel berichten, ausser dass die Temperaturen sehr hoch sind und wir froh waren, wenn zwischendurch der Südwind bliess. Unsere kurzen Spaziergänge ins kleine Dorf, das zur Hälfte Bob gehört, endeten immer im Pup bei einem kühlen Bier mit den Stammgästen. Bei Bob der neben der Tankstelle, dem Supermarkt und der Autoreparaturwerkstatt auch noch einen kleinen Zoo besitzt, kauften wir einen neuen Reifen. Im Pup konnten wir dann noch ein herrliches Schauspiel erleben. Anscheinend schliesst die Küche um 19.00 Uhr. Ein Stammgast bestellte sein Essen auf 18.59 Uhr. Um 18.47 Uhr wurde ihm das Essen in einem Papiersack, für zu Hause, gebracht, dass er postwendet wieder in die Küche schickte, mit der Begründung es sei noch nicht 18.59 Uhr. Eine Minute später kam die Küchenchefin mit seinem Essen und dem grössten Küchenmesser wieder zurück, stellte ihm den Papiersack vor die Nase und die Hand mit dem riesigen Küchenmesser daneben ohne etwas zu sagen. Natürlich gab es ein schallendes Gelächter aller Anwesenden als er den Sack neben sich auf den Barstuhl stellte und die Küchenchefin mit einem Grinsen wieder in die Küche verschwand.

Als wir Reisefertig waren fuhren wir zuerst zu Bob und liessen den neuen Reifen montieren der uns 260 AU$ kostete. Dann kauften wir noch einige Kleinigkeiten in Bobs Supermarkt und prüften den Reifendruck bei Bobs Tankstelle. Von nun an sind die Strassen geteert jedoch im ersten Abschnitt nur einspurig. Wenn also jemand entgegenkommt muss jeder mit einer Hälfte des Fahrzeuges auf den Kiesstreifen ausweichen. Wenn jedoch ein Truck entgegen kommt muss man ganz ausweichen, weil die Trucks auf dem Teerteil bleiben dürfen. Wieder wechselten sich die Landschaftsbilder ab und bei grösseren Buschflächen überquerten wir sicher einen ausgetrockneten Fluss. Nach 170km machten wir im einzigen Gebäude zwischen Boulia und Winton einen kurzen Halt. Das Middleton Hotel ist 142 Jahre alt und das Besitzer Ehepaar sieht auch so alt aus. Ein wirklich einmaliges Erlebniss mit diesem Ehepaar zu plaudern, von dem wir nur einen Bruchteil verstanden. Da wir die einzigen Gäste waren, hatten sie natürlich Zeit um viel zu erzählen die sie natürlich genossen, da es für sie eine Abwechslung war. In Winton platzierten wir uns auf den Caravan Park der zu einem Hotel gehörte wo man sich auch anmelden musste. Da wir früh waren hatten wir die Beste Auswahl und erhielten einen grossen Schattenplatz. Das Abendessen mit frischen Austern als Vorspeise schmeckte uns ausgezeichnet im Tattersall’s Hotel. Winton ist der Anfang oder das Ende der Great Central Road. Somit haben wir die Hauptstrecke von 2‘720km, das Meiste auf Wellblech, mit 2 Plattfüssen und damit Australiens längste Abkürzung, hinter uns gebracht.

 

19.10. In Winton besichtigten wir das Waltzing Matilda Center mit der Geschichte über Australien inoffizielle Landeshymne von Banjo Peterson. Das Lied handelt nicht von einer tanzenden Matilda, sondern von einem Buschmann, der nachdem er ein Schaf gestohlen hatte, sich lieber selbst ertränkte, als ins Gefängnis zu gehen. Matilda ist eine Umhängetasche, die im letzten Jahrhundert jeder hatte und sein gesamtes Hab und Gut enthielt. Das alte Ausstellungsgebäude brannte 2015 nieder und wurde durch einen sehr gelungenen Neubau ersetzt. Es beherbergt auch noch ein Museum mit vielen Alltagsgegenständen dieser Gegend. Eine sehr gelungene Ausstellung für diese kleine Siedlung. Da es im Pub sehr gutes Essen gab verzichteten wir aufs Kochen.

Der Weg nach Hughenden ist relativ kurz und so konnten wir es gemütlich angehen. Anderseits waren wir auch froh, diesen eher lauten Ort zu verlassen, der dazu noch stinkendes Wasser hatte. Auf dem Weg sahen wir vermehrt Schafsfarmen, mit den riesigen trockenen Grasflächen, die in dieser Gegend angesiedelt sind. In Hughenden platzierten wir uns auf einem neu renovierten Campingplatz, mit wenig anderen Gästen. So verlängerten wir gleich um einen Tag. Im Info Center besichtigten wir eine Dinosaurier Ausstellung, die vor über 200 Millionen Jahre hier ihre Spuren hinterliess. Viel mehr konnte man hier nicht machen, auch weil mit 37° eher der Schatten gefragt war.

 

21.10. Nach 2 geruhsamen Tage ohne Kochen, Essen im Pub, war wieder Reisezeit. Bei Tagestemperaturen von 37° steht man besser früh auf, wenn zusammenpacken angesagt ist, auch wenn keine grossen Fahrdistanzen zu absolvieren sind. Auf dem Weg nach Charters Towers, war noch ein kurzer Halt beim Lookout der White Mountains angesagt. Nun ja, von Mountains kann man da nicht sprechen, es ist eher umgekehrt. In Jahrtausenden hat sich das Wasser durch den weichen Sandstein gefressen und eine Schlucht gebildet, die man kaum sieht. Man muss sich eine riesige Ebene vorstellen und plötzlich steht man vor einer ca. 50m tiefen Schlucht die man hier niemals erwarten würde. In Charters Towers fuhren wir zuerst auf den Campingplatz und danach ins Zentrum um noch einige Lebensmittel zu kaufen. Da heute Sonntag ist waren sämtliche Läden geschlossen inkl. Wooli. Ein anderer Supermarkt hatte jedoch offen. Im Zentrum dieser Goldgräber Stadt gibt es noch einige schöne Historische Gebäude. Im Info Center schauten wir einen Film über die Geschichte dieses Ortes, der noch alte Fotos aus dem letzten Jahrhundert zeigte. Bevor wir wieder zurück zum Campingplatz fuhren ging es zum Towers Hill, von wo wir einen unendlichen Blick in die Ebene hatten. Ein Wunder, dass dieser einzige Hügel weit und breit, der völlig durchlöchert ist von den Goldgräbern, überhaupt noch steht.

 

23.10. Wieder verbrachten wir 2 relaxte Tage mit viel Vogelgezwitscher von den nahen Bäumen. Eines Abends, als wir gemütlich vor dem Fahrzeug sassen, sahen wir katzenähnliche Tiere den Baum heruntersteigen. Am nächsten Tag fragten wir die Managerin, was das für Tiere seien. Sie sagte, dies seien Possum, die im grossen Mangobaum gleich neben unserem Platz zu Hause sind. Diese nachtaktiven Tiere machen ein lautes kratzartiges Geräusch, dass man nie als Tierlaut einstufen würde.

Da wir ja schon bald das Fahrzeug abgeben müssen, stellten wir für die verbleibenden Tage mit unseren Lebensmitteln einen Menüplan zusammen und die dazugehörende Einkaufsliste. Also war unser erster Stopp beim Wooli bevor es Richtung Küste ging. Wir hatten Lucinda mit dem Campingplatz direkt am Meer ausgewählt. Je näher wir der Küste kamen umso grüner wurde es und umso dichter auch der Verkehr. Nach über einem Monat fast ohne Verkehr wieder etwas Neues. Von Uschi und Christian die wir voraussichtlich in Cairns treffen werden, erhielten wir den Hinweis, dass die Mission Beach die schönste in Australien sei. So kamen wir während der Fahrt auf die Idee, 100km weiter nördlich an die Mission Beach zu fahren, die uns vom Namen her etwas sagte. Nur zuordnen konnten wir es noch nicht. Unsere Navidame führte uns an den falschen Küstenabschnitt und da entdeckten wir den kleinen Campingplatz bei dem wir vor 2 Jahren, wegen dem miesen Wetter, ein Cabin gebucht hatten. Also fuhren wir weiter zur South Mission Beach wo wir im BIG4, bei einem lustigen, sehr gesprächigen Empfangsgirl einen Schattenplatz verlangten. Beim aufstellen des Zeltes stellten wir fest, dass wir gleich 3 Schweizer Nachbarn hatten. Natürlich gab es da einiges zu plaudern und am Abend änderten wir bereits unseren Menüplan und gingen ins kleine Camp Restaurant eine feine Pizza essen.

 

27.10. Kaum zu glauben aber am ersten Morgen stand plötzlich ein Kasuar neben unserem Frühstückstisch und schaute intensiv auf Colettes Brot. Colette erschrank sehr, als dieser ca. 1.40m grosse Strauß ähnliche Vogel neben ihr Stand. Sie wollte nicht teilen und brachte ihr Brot in Sicherheit 😉. Man sollte diese Wildtiere auch nicht füttern, was jedoch nicht immer eingehalten wird. Dies ist wohl auch der Grund, dass er ohne scheu durch den Campingplatz spazierte. Die Mission Beach hat einen grossen feinkörnigen, sauberen Sandstrand und der Blick auf die vorgelagerten Inseln macht sie wirklich speziell. Natürlich hatten wir das Glück, dass es Zwischensaison ist und daher fast niemand hier campiert. Die Temperaturen liegen um 30° und die Meeresbriese machte die 70% Luftfeuchtigkeit angenehm. Welch ein Unterschied zu den 14% im Landesinneren. Mit Charlotte und Peter hatten wir noch einige schöne Plauderstunden, da sie 2 Tage blieben, während die anderen Schweizer nur eine Nacht hier verbrachten. So genossen wir die geruhsamen Tage an dieser Beach und hatten täglich Besuch vom Kasuar. Für die Körperertüchtigung machten wir auch gemütliche Strandspaziergänge 😉.

Da der Weg nach Cairns nicht weit ist, machten wir auf dem Weg dorthin noch

2 Stopps, bei dem Shoppingcenter, wo wir einige Kleinigkeiten kauften. In Cairns platzierten wir uns auf den BIG4, der etwas ausserhalb liegt und bezogen ein Cabin das wir gebucht hatten. Hier bleiben wir 3 Nächte vor allem um unser Fahrzeug zu „entleeren“ und zu Reinigen.

 

30.10. Für die Reinigung benötigten wir einen ganzen Tag und den 2. Tag benötigten wir um unser Gepäck wieder Reisetauglich zu machen. Wir stellten auch die Sachen zusammen die wir dem Vermieter überliessen, da es sicher einige Zeit gehen wird bis wir wieder nach Australien kommen. Aber wir wollen wieder in dieses faszinierende Land kommen, in das wir uns „verliebt“ haben.

Der letzte Tag mit unserem Camper den wir mit einem lachenden und einem tränenden Auge zurückgeben. Das lachende für das verlassen der harten Matratzen und das tränende für die vielen schönen Stunden die er uns durch dieses Land kutschiert hat. Mit einigen Schwierigkeiten fanden wir dann die TCC Station wo der Kilometerstand 32‘100km anzeigte. Somit sind wir 9‘471km gefahren. Ein freundlicher Angestellter fuhr uns dann wieder zurück in das Zentrum, wo wir im Inn Cairns unser Gepäck deponiert hatten bevor wir zur Abgabestelle fuhren. Da wir unser Apartment noch nicht beziehen konnten, machten wir einen ersten Erkundungsspaziergang durchs Zentrum. Nach dem Bezug setzten wir uns mit Uschi und Christian in Verbindung und verabredeten uns zum Abendessen. Natürlich verbrachten wir einen lustigen Plauderabend und verabredeten uns gleich für Übermorgen zum Abendessen.

 

 

 

 

3.11. Unser letzter Tag in Australien nachdem wir noch 2 Plauderabende mit Uschi und Christian verbrachten. Zu unserem Leidwesen hat die Regenzeit nun begonnen und so mussten wir die ersten Regengüsse über uns ergehen lassen. Während den trockenen Abschnitten machten wir ein paar Spaziergänge in die Umgebung und der schönen Uferpromenade entlang. So versuchen wir noch so viel wie möglich Sonne und Wärme zu tanken, da es in der Schweiz sicher viel kühler sein wird. Auch genossen wir einen feinen Hot Pot, der uns an Vietnam und Südkorea erinnerte.

 

Wir verlassen Australien mit einem tränenden und einem lachenden Auge, für unseren nächsten Aufenthalt, den wir auf unsere Reiseplanung nehmen.

 

So sagen wir wieder :

 

 

 

Thank you (Danke) see you again (auf Wiedersehen)