18.4. Wir staunten als wir unser gesamtes Gepäck (Camperinhalt) im Apartment anschauten. Da hatten wir in den letzten 3 Monaten doch noch einiges dazu gekauft. Das kommt davon, wenn man gerne gut ausgerüstet ist und der Camper nur das nötigste an Ausrüstung hat. Wir werden unser Material an Maria in Santiago schenken, weil wir der Meinung sind, dass wir mehr als genug für die Campermiete bezahlt haben.

Heute war Camper-Putz-Tag. Nicht weit von uns fanden wir eine Tankstelle mit einer Waschbox. Mit einer Höhe von 3.50m war dies kein einfaches Unternehmen, weil es keine Leiter oder ähnliches gab und wir auch nicht so lang sind. Mit dem Hochdruckreiniger versuchten wir die 3-monatigen Mückenreste von der Front zu kriegen. Dies dauerte seine Zeit und hinter uns bildete sich langsam eine Wartekolonne. Nun, am Schluss sah er wieder recht passabel aus. Nach der Sortierung des Gepäcks war wieder packen für das „Koffer-Leben“ angesagt. Einerseits freuen wir uns darauf, da die mühsame Campingplatzsuche entfällt und anderseits gehören die interessanten Begegnungen auf den Campingplätzen in nächster Zeit der Vergangenheit an. Wir werden sehen und sind wie immer offen für alles.

 

19.4. Nachdem wir unser gesamtes schön sortiertes Gepäck wieder im Camper verstaut hatten machten wir uns gemütlich auf den Weg nach Santiago. Auf den Strassen hatte es fast keinen Verkehr und die Landschaft zeigte sich in den schönsten Herbstfarben. Die Temperatur mit 15° war für uns eher im kühleren Bereich. Je näher wir Santiago kamen umso nebliger wurde es. Die Tage zuvor hatten wir mit Maria Kontakt und erhielten von ihr eine Einladung zum Lunch. Wir wurden mit einer wunderbaren Quiche verwöhnt. So verbrachten wir einen herrlichen Plaudernachmittag mit ihr und ihren beiden Söhnen Gabriel und Pablo. Sie nahmen auch gerne unsere Campingartikel, die wir während der reise gekauft hatten. Im Hotel Sommelier Express erhielten wir wieder das gleiche Zimmer und nachdem wir unser Gepäck im Zimmer verstaut hatten, gingen wir ins Nuria und tranken einen Pisco Sour von unserem Kellner Jesus der uns nach 3 Monaten wiedererkannte.

 

20.4. Heute brachten wir unseren Camper zurück. Mit der Schaukelkiste fuhren wir 3‘784km und mit dem zweiten 9‘059km. Also fuhren wir in 100 Tagen durch Chile und Argentinien 12‘843km ohne Probleme, von den Kleinigkeiten wie der Heizung abgesehen. Heute ist Oster Samstag und es war nur der freundliche Manager und Juan anwesend. Die Abgabe ging ohne Probleme und wir wurden ins Hotel zurückgefahren, nachdem wir ihnen noch einige Tipps betreffend Ausrüstung gaben. Unser Spaziergang brachte uns zur Plaza des Armas wo wir uns über den Hop on Hop off Bus informierten und gleich ein 2 Tages Ticket kauften. Bei unserem ersten Besuch haben wir ja von Santiago noch nicht viel gesehen. Da wir genügend Zeit hatten, machten wir gleich eine Rundreise um einen Überblick zu erhalten, damit wir uns die Haltestelle notieren konnten wo wir am folgenden Tag aussteigen wollen. Am Abend gingen wir ins Nuria und wurden von Jesus wie Stammgäste empfangen.

 

21.4. Am Morgen stiegen wir in den Touristik Bus bei strahlendem Sonnenschein und kühlen 13°.Nach über einer Stunde stiegen wir bei der Talstation der Seilbahn, die auf den „Hausberg“ San Cristobal führt, aus. Der gesamte Hügel ist ein Park und bei den Einheimischen sehr beliebt, die zu Fuss oder mit dem Bike neben der Seilbahn den Berg besteigen. Auf der Fahrt nach Oben lernten wir Austin kennen. Er arbeitet für eine Minenkompanie, ist Chinese aus London, arbeitet in Melbourne und ist nun geschäftlich in Chile unterwegs. Oben angekommen hätte man bei klarem Wetter einen wunderbaren Blick auf die Stadt und die umliegenden Berge. Leider war es ziemlich neblig, sodass die Weitsicht sehr eingeschränkt war. Wir besichtigten auch die kleine Kirche auf dem Gipfel wo eine Ostermesse abgehalten wurde. Mit der Standseilbahn fuhren wir dann wieder hinunter ins Künstlerquartier mit den vielen Bars, Restaurants und Graffitis. In einem liessen wir uns verköstigen, genossen die spezielle Stimmung und fuhren danach zurück.

 

23.4. Gestern Abend machten wir eine fürchterliche Erfahrung die wir sicher nicht vergessen werden.

Am Tag besuchten wir den Mercado Central und mussten für Ugo ein neues Handy kaufen, weil das Alte nicht mehr richtig funktionierte. Wir assen einen späten Lunch und spazierten gemütlich wieder zurück zum Hotel. Da unser Hotel keine Bar hat wollten wir in der angrenzenden Bar noch einen Schlummi genehmigen. Da musste uns KO Tropfen ins Getränk gemischt worden sein. Heute Morgen war uns schwindlig, wir hatten Kopfschmerzen und wir wussten nicht mehr wo wir waren. Wir vermissten eine Kreditkarte und unser gesamtes Bargeld. In der nahen Bank wollten wir Geld holen und stellten fest, dass sämtliche Kreditkarten, ausser der Visa, gesperrt waren. Bei den Telefonaten mit dem Cardcenters wurde uns dann mitgeteilt, dass grosse Geldbeträge auf den Kreditkarten belastet wurden und dies alles von der gleichen Bar in kurzen Abständen und daher die Karten dann gesperrt wurden. Nun wurde uns wirklich schlecht. Die Cardcenter waren sehr hilfsbereit und sie schicken uns neue Karten an die übernächste Hoteladresse und erwähnten, dass wir nicht die Einzigen sind, die eine solche Erfahrung machen. Nun ja, das hilft uns auch nicht weiter. Kaum zu glauben aber wir haben einen völligen Filmriss und können uns nicht erinnern wann wir die Bar betreten, verlassen und wie wir ins Hotel kamen. Nur dank einiger Kreditkartenauszüge und der Bank wissen wir wo wir waren. Die müssen uns eine fürchterliche Dosis verpasst haben. In einem Rotlicht-Viertel könnten wir dies ja verstehen aber nicht im Zentrum mit all den Banken in der Umgebung und der vielen Polizei. Wir sind ja nicht gerade Reiseunerfahren und auch sehr vorsichtig, aber wir wurden eines Besseren belehrt.

Den Nachmittag verbrachten wir auf der Polizeistation um eine Anzeige zu erstatten. Dies war dann ziemlich mühsam und dauerte eine Ewigkeit bis wir den Polizeirapport erhielten. Einerseits sprach kein Polizist Englisch und unser Spanisch reichte natürlich nicht für die Erläuterungen. Dank dem Google Übersetzer kamen wir dann doch noch zu einem verständlichen Gespräch. Der Beamte notierte sich alles, aber sein Interesse hielt sich sehr in Grenzen und ob überhaupt etwas unternommen wird bezweifeln wir.

Als wir uns im Netz über die KO Tropfen informierten wurde uns auch wieder schlecht und wir können von Glück sprechen, dass wir keine schlimmeren gesundheitlichen Schäden davongetragen haben. Diese Tropfen in Zusammenhang mit Alkohol können ganz schlimme Folgen haben und sind äusserst gefährlich, weil sie nach 12 Stunden nicht mehr nachgewiesen werden können. Sie haben weder einen Geschmack noch eine Farbe. Dies war eine der Erfahrungen die man sich wirklich nicht wünscht.

 

24.4. Wir haben immer noch mit den Nachwirkungen der KO Tropfen zu kämpfen, denn unsere Mägen fühlen sich immer noch komisch an. Die müssen uns ja eine fürchterliche Dosis verpasst haben. Zum Glück war unser nächstes Ziel Valparaiso das ca. 1 ½ Stunden entfernt von Santiago liegt. So machten wir uns kurz vor 12.00 Uhr gemütlich auf den Weg. Das Wetter entsprach unserer Gemütsverfassung, denn es war trist mit Nebel, Bewölkung und gelegentlichem Nieselregen. Unser Navi führte uns durch die dreckigen Slum-Aussenquartiere die genau zu unserer Gemütsverfassung passte und in keiner Weise zu einer Besserung führte zur Casa von Moltke. Beim ersten Anblick änderte sich nichts betreffend Gemüt aber wir waren anscheinend in einem besseren Quartier. Wir wurden sehr freundlich von Malone empfangen und nach der Besichtigung des Hauses, dass nur 3 grosse Zimmer hat und von der Dachterrasse einen Überblick über Valparaiso bietet, erhellte sich unsere Stimmung. Das Gebäude wurde 1886 von einem Deutschen immigrierten Architekten gebaut und ist in den Grundstrukturen noch Original erhalten. Unser Fahrzeug konnten wir in der Einzelgarage platzieren, da wir die einzigen Gäste sind. Mit den Infos des freundlichen Malone spazierten wir durch das Quartier und landeten im Restaurant Mito, dass eine Dachterrasse mit Blick über die Stadt bietet. Der sehr freundliche Kellner Viktor servierte uns ein köstliches Essen das wir sehr genossen haben, leider bei kühlen Temperaturen.

 

25.4. Heute zeigte sich das Wetter von seiner schönsten Seite und so machten wir uns auf den Weg ins Einkaufscenter um Colettes Jacke, die sie seit dem „Bar“ Abend vermisste, zu ersetzen. So spazierten wir zuerst hinunter auf die Hauptstrasse die gleich neben dem Meer verläuft. So schlenderten wir gemütlich dahin, als Colette plötzlich mitten auf dem Trottoir angegriffen wurde, indem ein Mann versuchte ihr das Halsketteli zu entreissen und davonrannte. Ugo rannte hinterher, doch nach einigen Blocks hatte er ihn aus den Augen verloren. Ausser Puste kam Ugo dann wieder zu Colette zurück, die von einer sehr freundlichen Parkwächterin betreut wurde. Glück im Unglück, denn das Halsketteli fiel beim versuchten wegreissen ins T-Shirt. Es ist zerrissen aber noch vorhanden. Dann mussten wir uns zuerst hinsetzen um uns ein wenig zu erholen. Das ist ja unglaublich, nun haben wir innert kurzer Zeit 2 unglaubliche negative Erlebnisse über uns ergehen lassen müssen. Das ist nach 4 Jahren Reisen wirklich starker Tubak. Beim Weg zum Shoppingcenter sahen wir in jeder Person einen potenziellen Dieb. Ein sehr unangenehmes Gefühl mit hoher Anspannung. Wir fanden im Shoppingcenter keine Jacke für Colette und so machten wir uns auf den Rückweg. In einem kleinen Shop fanden wir dann noch eine Jacke. Zurück im Hotel gingen wir auf die Dachterrasse und genehmigten uns einen Drink für unsere Nerven. Beim Abendessen genossen wir das ausgezeichnete Essen und versuchten den Tag zu verdauen.

 

28.4. Die letzten beiden Tage bewegten wir uns nur noch im umliegenden Quartier das sehr touristisch ist. Wir schauten uns die typischen Strassenzüge mit den farbigen Fassaden und den Graffitis an. Wir benützten auch 2 der alten Schräglifte von denen noch einige in Betrieb sind, um die steilen Hänge bequem zu erreichen. Das Wetter mit angenehmen Temperaturen spielte mit und das köstliche Essen bei unserem Lieblingskellner Viktor im Mito Restaurant liessen uns die vergangenen Schrecken ein wenig vergessen.

Der heutige Reisetag begann schon früh und so fuhren wir mit gesichertem Fahrzeug durch die fast leeren Strassen. Nach Valparaiso und Vina del Mar erreichten wir die Ruta 5 (Panamericana) und fuhren durch eine eher langweilige Landschaft, auf der Autobahn mit vielen Zahlstellen, Richtung La Serena das unser Tagesziel war. Je näher wir La Serena kamen umso nebliger wurde es. Richtige Nebelwände kreuzten unseren Weg und erzeugten eine spezielle Stimmung. In La Serena bezogen wir im Hotel Campanario ein Zimmer mit Terrasse und Blick aufs Meer. Nur die Uferpromenade trennte uns vom breiten Sandstrand. Im nahen Restaurant mit Blick aufs Meer und den Sonnenuntergang beendeten wir den heutigen Tag.

 

1.5. Es ist Herbst und die Sonne schafft es an der Küste nur schwer sich durch den Nebel zu kämpfen. Auch die Temperaturen sind mit 17° eher auf der kühleren Seite. Ausser einigen Spaziergänge dem Strand entlang, unternahmen wir nichts. Es hat auch sehr wenige Touristen und viele Restaurants sind auch geschlossen und öffnen nur über das Wochenende. Uns war es recht denn so konnten wir uns von den letzten Schrecken erholen.

Da der Weg nach Vicuna nur etwas mehr als eine Stunde dauert, konnten wir es sehr gemütlich nehmen. Zu unserer Überraschung hatte es sehr viele Fahrzeuge in diese Richtung, die den freien Tag für einen Ausflug in die karge Bergwelt nutzte. Je weiter wir uns vom Meer entfernten umso klarer wurde es, bis wir nur noch stahlblauen Himmel sahen. Da wurde uns klar, wieso so viele unterwegs waren. Die kargen Berghänge mit ihren Kaktuswälder wurden durch das schmale grüne Tal des Elqui Flusses unterbrochen. Auf den umliegenden Bergen gibt es einige Observatorien, von denen man den klaren Sternenhimmel betrachten kann. Auch wir wollen eines besuchen und einen Blick ins Universum wagen. In Vicuna erschraken wir zuerst, als wir die Fassade des 4 Sterne Hotel Terral sahen. Von Aussen sieht es eher wie eine unschöne Mauer mit Eingang aus. Wenn man jedoch durch den Eingang geht, wird man mit einem Springbrunnen, einem top Inneren mit einem 2 geschossigen Gebäude empfangen. Wir konnten jedoch unser Zimmer noch nicht beziehen und so spazierten wir ins nahe Zentrum und landeten in einem Restaurant des Social Clubs. Der freundliche Empfang, der Pisco, die friedliche Stimmung im Innenhof mit der traditionellen Musik, die kalte Platte, der blaue Himmel und die 26° Wärme versetzten uns in Ferienstimmung die wir sehr genossen. So kehrten wir glücklich und zufrieden ins Hotel zurück und konnten nach einer kurzen Besichtigungstour unser grosses Zimmer mit Balkon beziehen.

 

4.5. Unser Spaziergang führte uns zur Capel Destillerie wo der berühmte Pisco produziert wird. Hier werden jährlich 38 Mio. Flaschen abgefüllt. Sie wurde 1938 von 25 Genossenschafter gegründet und ist immer noch eine Kooperative. Wir hatten eine sehr interessante Führung und erfuhren viel über die Geschichte des Pisco. 1554 wurden die Reben von den Spaniern in dieses Tal gebracht und angepflanzt. Erstaunlicherweise wird hier kein Wein produziert, sondern die ganze Ernte wird für die Piscoproduktion verwendet. Die Reben werden wie bei einer Pergola hochgezogen, sodass man von Unten die Reben abschneiden kann. Pro Stock können zwischen 20-40kg geerntet werden. Natürlich wurde auch der Jahrhundert alte Streit zwischen Peru und Chile angesprochen, wer den Pisco „erfunden“ hat. Peru behauptet, dass bereits die Inkas eine Art Pisco gebrannt haben. Nun wie dem auch ist…wir geniessen den Pisco. Inzwischen haben wir auch ein Stammlokal wo wir von Jose Luis wie alte Stammkunden herzlich empfangen werden. Mit einem Augenzwinkern serviert er uns dann immer einen Pisco Sour.

Am Abend besuchten wir das Mamaluca Observatorium. Eines von 60 Observatorien die es in diesem Teil der Anden gibt. Hier sind anscheinend die besten Bedingungen zur Sternen Beobachtung, da das trockene Klima und der Wolkenlose Himmel dies begünstigen. Auch hier hatten wir eine super Führung von einem begeisternden Astronomen. Natürlich schauten wir auch durch das Teleskop in die Milchstrasse und konnten feststellen welch ein kleines Staubkorn wir im Universum sind. Was für ein faszinierender Einblick in die Sternenwelt.

 

6.5. Heute stand ein Ausflug ins Elqui Tal auf der To-do-Liste und dies bei Wolkenhimmel. So machten wir uns gemütlich auf den Weg durchs „Pisco-Tal“. Das relativ schmale Tal wird von hohen, kargen Bergen flankiert. Nur im Bereich des Elqui Flusses ist es Grün durch die vielen Plantagen. Vorwiegend werden hier Moscatel Trauben angepflanzt, die für den Pisco gebraucht werden. Neben den Trauben sahen wir auch noch einige Orangenplantagen. Teilweise sind die Plantagen weit in die steilen Berghänge hochgezogen. Natürlich müssen sie alle künstlich bewässert werden und die Ernte dürfte auch eine anstrengende Sache sein. Wir durchfuhren auch einige Dörfer bis wir in Pisco Elqui waren. Da besichtigten wir den Familienbetrieb Funda los Nichos der seit 1868 Pisco produziert. Hier war die Produktion voll am laufen, was natürlich viel interessanter war als in der Grossdestillerie Capel. Im Jahr werden ca. 150‘000 Flaschen abgefüllt, wobei es nur 2 Sorten gibt. Den 35% Klaren für den Pisco Sour und den 40% für den Einzelgenuss. Auf dem Rückweg machten wir einen Verpflegungshalt in einem traditionellen Restaurant bevor wir den eindrücklichen Sonnenuntergang auf der Dachterrasse bewunderten.